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Band 32: Spricht man an der Börse über Renditen

oder Kurse? Was ist der Unterschied und wie geht

man damit um? (2018)

 

von Z. Iliewa und M. Weber

 

Die in diesem Band vorgestellten Forschungsergebnisse zeigen,

dass Renditen und Kurse in der Realität zu beträchtlich unterschied-

lichen Erwartungen führen. Fragt man nach der erwarteten Rendite

statt nach dem erwarteten Kurs, so sind die Erwartungen optimistischer.

Schaut man sich allerdings ein Renditechart und nicht ein Kurschart an,

so sind die Erwartungen beträchtlich pessimistischer. Investoren, die

sich stark auf ihr Bauchgefühl verlassen, sind für Formatänderungen

besonders anfällig. Wohingegen für Investoren, die höchstanalytisch

und regelbasiert vorgehen, das Format kaum eine Rolle spielt.

 

Formatänderungen sind nicht nur eine Falle für Laien. Auch Finanz-

experten mit jahrelanger beruflicher Erfahrung lassen sich durch

Formatänderungen beeinflussen. Darüber hinaus beeinflusst das

Chartformat aus welchem Abschnitt der Vergangenheit der Investor

lernt. Während Investoren bei Kurscharts nur auf die neueste Entwick-

lung achten, schauen sie bei Renditecharts weiter in die Vergangenheit

zurück.

Die zugrundeliegende Forschungsfrage ist einfach, aber die Ergebnisse werfen schwierige Anschlussfragen für die Finanzindustrie und für den Gesetzgeber auf. Berater können zum Beispiel die Erwartungen ihrer Kunden manipulieren, indem sie das benutzte Format im Beratungsgespräch entsprechend anpassen. Fonds in der EU sind hingegen verpflichtet "wichtige Anlegerinformationen" einheitlich darzustellen und die vergangene Entwicklung dabei in Renditecharts abzubilden. Allerdings sind bereits heute neue Änderungen der EU Regulierung in Sicht. Die Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass Formatänderungen unberücksichtigte und unter Umständen sogar unerwünschte Auswirkungen auf die Anleger haben könnten. In diesem Band fassen wir wichtige Aspekte der aktuellen und zukünftigen Anforderungen zusammen und diskutieren worauf aus Sicht der wissenschaftlichen Evidenz zu achten ist.

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