Band 18: Einmal Lotteriespieler - immer Aktienzocker? Einflussfaktoren auf das Risikoverhalten von Privatanlegern
von C. Kaufmann, A. Nosic und M. Weber
Welche Risikoeinstellung und welches Risikoprofil besitzt ein Privatanleger? Das ist eine Information, die nicht nur die Anleger selbst, sondern auch die sie betreuenden Finanzinstitute interessiert. Zum einen stärkt eine optimale Beratung und adäquate Aufklärung über Risiken und Chancen die Kundenbindung und zum anderen besteht eine gesetzliche Verpflichtung zur Bestimmung der Risikopräferenzen der Anleger. Die vorliegende Studie befasst sich nun mit den Determinanten, die das Risikoverhalten und somit die Anlageentscheidung des Kunden beeinflussen.
Dabei identifizieren die Autoren drei Faktoren, die Risikoverhalten von Anlegern, also deren Investmentverhalten, bestimmen: die subjektive Risikowahrnehmung, die subjektive Renditeerwartung und die individuelle Risikoeinstellung. „Allerdings haben wir festgestellt, dass das Risikoverhalten einer Person nicht immer stabil sein muss“, betonen die Autoren. Gründe hierfür seien kontextabhängiges beziehungsweise zeitinstabiles Verhalten der Anleger.
„Unter kontextabhängigem Verhalten verstehen wir, dass es für ein und dieselbe Person rational sein kann, sich in Freizeitfragen vollkommen risikofreudig zu verhalten, also beispielsweise Fallschirm zu springen, und in Finanzfragen vollkommen risikoscheu zu sein und etwa nur in Festgeld zu investieren“, so Weber. Im Rahmen ihrer Studie zeigen die Autoren, dass der Begriff Kontextabhängigkeit sogar noch enger zu fassen ist und dass das Investmentverhalten in konstruierten Lotterieentscheidungen vollkommen anders sein kann als bei realen Anlageentscheidungen.
Zudem betonen die Autoren, dass das Verhalten von Investoren im Zeitablauf stark schwanken kann. Verantwortlich hierfür seien vor allem Änderungen in der subjektiven Risikowahrnehmung und in den subjektiven Renditeerwartungen und weniger Änderungen in der individuellen Risikoeinstellung. Im Hinblick auf die Markets in Financial Instruments Directive (MiFID), die von Banken fordert, die Kunden gemäß ihres Risikoprofils zu beraten, zeigen Weber und seine Mitarbeiter Fehler bei der Messung der Risikoeinstellung auf und gehen auch darauf ein ob das Risikoprofil der Kunden regelmäßig erhoben werden sollte.
