Band 15: Das Anlageverhalten von Discount-Broker-Kunden
von M. Glaser und M. Weber
Wie verhalten sich Privatanleger, wenn sie eigenständig ihre Anlageentscheidungen am Aktienmarkt treffen können? Wie gehen Anleger mit der größeren Auswahl an Anlagealternativen um, welche sich im Zeitalter von Online-Brokern ergeben? Antworten auf diese Frage sind nicht nur für Privatanleger selbst von Interesse, sondern auch für Politiker, die private Vermögensbildung fördern wollen oder für Banken und Online-Broker, die wissen möchten, wie sich ihre Kunden verhalten bzw. ob bei Kunden Beratungsbedarf besteht.
Dieser Forschungsbericht versucht, die oben genannten Fragen zu beantworten. Dazu werden zuerst Ergebnisse einer Anlegerbefragung dargestellt, die der Lehrstuhl für Bankbetriebslehre bei Kunden eines deutschen Online-Brokers durchgeführt hat. Außerdem gibt dieser Forschungsbericht einen Überblick über aktuelle Studien, die das Anlageverhalten von Discount-Broker- oder Online-Broker-Kunden analysieren und stellt dabei auch Ergebnisse von Untersuchungen des Lehrstuhls für Bankbetriebslehre vor. Die dargestellten Studien werten Transaktionsdaten und Portfoliobestände von Kunden aus. Banken haben diese Daten in den letzten Jahren vermehrt der Wissenschaft zugänglich gemacht.
Dieser Forschungsbericht zeigt, dass Privatanleger im Durchschnitt schlechter abschneiden als der Markt. Außerdem gehen Anleger häufig ein hohes Risiko ein. Sie halten nur wenige Aktien und die Portfolios sind auf wenige Länder oder riskante Industrien konzentriert. Das Internet scheint das Verhalten von Anlegern verändert und zu einem größeren Handelsvolumen geführt zu haben. Die Ergebnisse des Forschungsberichts deuten darauf hin, dass sich Privatanleger nicht immer rational verhalten und sich damit in Form von Renditeeinbußen Schaden zufügen. Ausgehend von diesen Ergebnissen zeigt der Forschungsbericht Ansatzpunkte auf, welche dazu dienen können, die erwartete Rendite des Portfolios zu steigern bzw. das Portfoliorisiko zu senken.
