Band 2: Overconfidence Schätzen Anleger ihre Kenntnisse falsch ein?
von A. Laschke und M. Weber
Vor einigen Jahren fragten amerikanische Forscher rund 3000 Gründer von jungen Unternehmen, wie hoch ihrer Meinung nach die Überlebenschance ihres Unternehmens im Markt sei. 33% der Befragten waren fest davon überzeugt, daß ihr Unternehmen in 5 Jahren noch existieren würde, und 81% der Befragten glaubten, eine Überlebenschance von mindestens 70% zu haben. Vergleicht man diese Angaben mit den tatsächlichen Erfolgsaussichten von neu gegründeten Unternehmen, so scheinen sich die Befragten maßlos zu überschätzen: In der Regel sind 75% dieser Unternehmen nach 5 Jahren wieder vom Markt verschwunden.
Wie zahlreiche Untersuchungen gezeigt haben, schätzen Individuen in vielerlei Situationen Wahrscheinlichkeiten oder Wahrscheinlichkeitsverteilungen falsch ein. Dabei sind sie oft – wie im Fall der Unternehmer – nicht nur zu optimistisch, sondern auch zu sicher. So gehen Investoren z.B. von zu engen Verteilungen bzgl. zukünftiger Aktienrenditen aus. Ärzte glauben, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit richtige Diagnosen zu stellen, als dies tatsächlich der Fall ist. In solchen Situationen sprechen wir davon, daß Individuen einen “Overconfidence Bias” aufweise: Sie überschätzen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, den Informationsgehalt von Nachrichten oder die Qualität ihrer Prognosen.
In diesem Forschungsbericht wollen wir Ihnen die Auswirkungen des “Overconfidence Bias” sowohl auf individueller als auch auf Marktebene aufzeigen. Zunächst werden wir diskutieren, was eigentlich eine “gute Einschätzung” von Wahrscheinlichkeitsverteilungen ausmacht, und in welchen Situationen am häufigsten von diesem Ideal abgewichen wird. In diesem Zusammenhang werden auch die Entstehungsursachen des “Overconfidence Bias” und Möglichkeiten zu seiner Verringerung zu nennen sein. Wir hoffen, Ihnen damit eine konkrete Hilfe zur Verbesserung Ihrer eigenen Entscheidungen zu geben.
